Dr. Thomas Glatte

Director Group Real Estate & Facility Management

, BASF SE

Unsere heutige Geschäftswelt ist mittlerweile voll von englischsprachigen Begrifflichkeiten. Insofern verwundert es nicht, dass auch auf meiner BASF-Visitenkarte die Position als "Director Group Real Estate & Facility Management" steht. Welche Tätigkeit aber versteckt sich eigentlich dahinter?

Mein Unternehmen, die BASF SE, ist das weltweit führende Chemieunternehmen. Insgesamt 110.000 Mitarbeiter arbeiten in unserem Unternehmen an etwa 1.300 Standorten weltweit. Dies können große Chemiewerke sein wie unser Stammwerk in Ludwigshafen, welches sich über eine Fläche von 10 km² erstreckt. Dies können aber auch kleinere Werke oder Abfüllstationen sein oder Forschungszentren oder große Verwaltungszentralen in den Wirtschaftsmetropolen oder kleine Vertriebsbüros nahe beim Kunden oder Schulungszentren oder landwirtschaftliche Versuchsfelder oder, oder, oder ... Die Liste der Standorttypen ist lang und damit logischerweise auch die Liste der Immobilienarten.

Und genau hier fängt meine Arbeit an. Allein die Zahl aller Standorte weltweit nennen zu können, ist in einem dynamischen Geschäftsumfeld bereits eine Herausforderung. Diese dann auch noch immobilienwirtschaftlich zu betreuen, ist umso mehr eine anspruchsvolle Aufgabe. Und genau das ist mein Job. Mein Team von ca. 50 Mitarbeitern – stationiert in Ludwigshafen, New Jersey, Hongkong und Sao Paulo – behält den Überblick über das weltweite Immobilienportfolio. Diese Kollegen sind für das proaktive Steuern des Immobilienbestandes verantwortlich. Des Weiteren kaufen, mieten oder pachten sie die Immobilien, die von den Geschäftsbereichen unseres Unternehmens benötigt werden. Und sie steuern die Aktivitäten des operativen Facility Managements.

Allerdings unterscheidet sich unser Immobilienmanagement deutlich von einem Immobilienfond oder einer Wohnungsgesellschaft. Wir betreiben Immobilienmanagement vordergründig nicht zum Zweck des Erwirtschaftens einer "Immobilienrendite". Dies wäre die Aufgabe eines institutionellen Immobilienmanagements. Unsere Welt ist die des Corporate Real Estate Managements, kurz CREM. Unsere Auftraggeber sind nicht Anleger oder Investoren, die mit Immobilien Geld verdienen möchten. Ein CRE-Manager leitet seine Aufgaben aus den Bedürfnissen des Kerngeschäfts im Unternehmen ab. In meinem Unternehmen sind das die oben aufgezählten Geschäftsbereiche. Diese benötigen Flächen und Gebäude für Produktion, Forschung, Entwicklung, Marketing und Vertrieb. Dabei ist für uns das Hauptkriterium, dass diese Immobilien möglichst effektiv und effizient beschafft, bewirtschaftet und – falls nicht mehr benötigt – auch verwertet werden.

Wie wird man eigentlich Corporate Real Estate Manager?

Wie so oft, war auch bei mir vieles nicht vorgegeben, sondern hat sich im Laufe des Lebens einfach ergeben. Die Kunst besteht darin, im richtigen Moment die Chancen zu sehen und diese auch zu nutzen. Nach der Schule habe ich eine Lehre im Tief- und Straßenbau absolviert, machte das Abitur und begann Bauingenieurwesen zu studieren. Den ersten Impuls für meine berufliche Laufbahn bekam ich 1993 während eines Baustellenpraktikums im Ausland. Später, im Vertiefungsstudium des Baubetriebs, entdeckte ich meine Freude an den betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Aspekten des Bauwesens.

Der urplötzliche Zusammenbruch der Baubranche 1995/1996 fiel direkt mit meinem Diplom zusammen. Nun sollten sich meine Auslandsaufenthalte und Englischkenntnisse auszahlen. Der Baukonzern Philipp Holzmann fand genau diese interessant und bot mir gleich einen Job in Thailand an – rückblickend ein Glücksgriff, obwohl mich damals Asien nicht wirklich interessierte.

Als Projektingenieur und Abschnittsbauleiter wurde ich gleich ins kalte Wasser geworfen und durfte bei der Errichtung eines 40-geschossigen Hotelneubaus, des Peninsula-Hotels Bangkok, sofort viel Verantwortung übernehmen. Das Peninsula ist heute eines der Top-Hotels der Stadt. Anfang 1998 wurde ich dann vom Holzmann-Konzern nach Indien geschickt, um den Bau einer Automobilfabrik fertigzustellen. Die Erfahrung der Bauleitung war mir als Berufseinstieg immer wichtig gewesen. Klare Ansagen, pragmatische Lösungen und schnelle Entscheidungen stehen auf der Baustelle im Vordergrund. Nun aber suchte ich nach einer Aufgabe, die meinen Interessen – Internationalität, Bauen, Recht und Wirtschaft – voll entsprach. Es war eher ein Zufall, dass in dieser Zeit die BASF einen Bauingenieur suchte, welcher das geplante Wachstum in Asien fachlich begleiten sollte.

Mein Profil – Bauingenieur mit etwas Asienerfahrung und viel Freude am Reisen – hat damals wohl überzeugt. Nach Deutschland zurückgekehrt, verbrachte ich die folgenden fünf Jahre zumeist mit zwei- bis vierwöchigen Dienstreisen nach Asien – insbesondere nach China, Korea und Japan. In dieser Zeit habe ich die Ansiedlung der großen BASF-Werke in Nanjing und Shanghai in China unterstützt und auch zahlreiche kleinere Immobilienprojekte, Anmietungen und Verkäufe in ganz Asien umgesetzt. Die Projekte in der Region wurden immer mehr und immer umfangreicher. Im Jahr 2003 war es dann soweit, dass ich mit Familie meinen Wohnsitz nach Hongkong verlagert habe. Dort konnte ich neben den Projekten unsere regionale BASF-Plattform für das Immobilienmanagement aufbauen. Im Jahr 2005 wurde mir dann die Aufgabe angeboten, die Leitung des Liegenschaftsmanagements der BASF-Gruppe zu übernehmen – damals ein kleines Team mit sieben Mitarbeitern.

Die nachfolgenden Jahre waren bei BASF gezeichnet von zahlreichen Akquisitionen anderer Unternehmen. Der Umsatz der BASF-Gruppe hat sich seitdem bis 2012 verdoppelt, die Zahl der Standorte fast verdreifacht. Dies wiederum erforderte auch ein anderes Herangehen an die Immobilienthemen. Im Jahr 2008 haben wir begonnen, auch die operativen Themen des Facility Managements neu aufzustellen. Seit 2010 widmen wir uns auch verstärkt den vielfältigen Nachhaltigkeitsaspekten. Alle zwei bis drei Jahre kamen bisher neue Aufgaben und Themenbereiche hinzu. Dies macht den Job aufregend, spannend und abwechslungsreich. Corporate Real Estate Management in einem Industrieunternehmen erfordert nicht nur (bau-)technische, rechtliche und (immobilien-)wirtschaftliche Kenntnisse. Es erfordert auch Mehrsprachigkeit, Mobilität und interkulturelle Kompetenz. Und es erfordert einen unbedingten Willen, sich den ständig wandelnden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen immer wieder zu stellen und anzupassen sowie Neues zu entdecken.

Wann entdeckst du eigentlich das Corporate Real Estate Management?

Falls du Kontakt mit dieser Person aufnehmen möchtest, wende dich bitte an den ZIA.

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